07.08.2008
DVB-H: Pyrrhus-Sieg gegen DMB  

Einen Sieger gibt es schon: Faktisch ist der Standard DVB-H zum europäischen Primus im Bereich mobiles Fernsehen erwählt worden. Damit scheint sich die Technologie, die auf DVB-H basiert, durchgesetzt zu haben.

Technisch gesehen scheint das ein Vorteil für die Endnutzer zu sein, denn in Fachkreisen gilt DMB als unterlegen: Während DMB auf Bandbreiten, die für den Hörfunk konzipiert waren, ausgerichtet wurde, ist DVB-H auf jene Kanäle setzt, die erheblich größere Bandbreiten bereitstellen. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um nach dem endlosen Krieg zwischen den rivalisierenden Formaten endlich durchzustarten, zumal mit der Fußball EM auch ein interessantes sportliches Großereignis als Steigbügelhelfer bereitstand.

Mit der Erteilung der Sendelizenz an das Konsortium „Mobile 3.0“ schien auch die entsprechende Basis geschaffen zu sein, um dem mobilen Handy-TV den Weg zu bereiten.

Test-Flop statt Durchbruch

Doch scheint sich das Ganze als Flop zu erweisen: Am 01. Juni 2008 iust zwar ein Testbetrieb in Gang gesetzt worden, der in einige Ballungszentren die Umsetzung von Handy-TV simulieren sollte.

Der Testbetrieb zur Fußball EM spricht für alles mögliche, nicht jedoch für ein Durchstarten. Nachdem bereits die WM 2006 als Katalysator der Handy-TV via DVB-H versagt hat, scheint nun auch die Fußball EM zwei Jahre später nicht weiterzu helfen. Folgerichtig halten sich Spekulationen um das Schicksal von Mobile 3.0: In der Presse ist von einem Ende mit Schrecken die Rede, Mobile 3.0 scheint vor dem Aus zu stehen. Dabei steht mit Olympia gleich noch ein sportliches Großereignis vor der Tür, Umfragen zufolge wollen viele Deutsche das Spektakel durchaus auch mit mobilen Endgeräten verfolgen.

Start 2009 oder engültiges Aus

So stehen sich gegenwärtig zwei Szenarien gegenüber: Einmal könnte sich DVB-H noch berappeln und den Marktstart Anfang 2009 tatsächlich vollziehen. Andererseits könnte es auch zum Aus kommen, inklusive der Rückgabe der Lizenzen.

Letzteres würde den bislang ausgebooteten Mobilfunkkonzernen die Möglichkeit eröffnen, selbst auf diesem Gebiet tätig zu werden. Allerdings sehen viele dort die Zeit zu schnell verrinnen, um aus der Technologie noch ein erfolgversprechendes System zu machen. Der wirklich wichtige Hemmschuh ist aber, dass DVB-H für den Endnutzer weitere Kosten erzeugt, die dieser nicht ohne weiteres zu tragen bereit sind. Eine Studie hat gezeigt, dass für die Mehrzahl der Kunden allenfalls fünf Euro als Obergrenze denkbar wären, wobei das generelle Interesse immer noch angezweifelt wird.

Hoffnung durch Kombination mit DVB-SH

Für DVB-H gibt es allerdings doch noch Einsatzmöglichkeiten, Experten sehen die Kombination mit DVB-SH als interessantes Gebiet. Denn damit könnten sowohl die städtischen als auch ländlichen Gebiete abgedeckt werden, ohne dass es dabei wegen des S-Bandes noch zu Einbußen bei der Qualität kommen würde.



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